Die jüngere vorrömische Eisenzeit

(480 v. Chr. - 50/30 v. Chr.)

Die jüngere vorrömische Eisenzeit begann etwa um 480 v. Chr. Nach dem Fundort La Tène in der Schweiz wird sie auch als Latènezeit bezeichnet. Träger der Kultur sind die in antiken Quellen genannten Kelten. In großem Stil finden sich mediterrane Einflüsse aus dem etruskischen Raum und den griechischen Kolonien in Südfrankreich. Neu sind Glasschmuck wie Arm- und Fingerringe, die Einführung der Töpferscheibe und ein neuer Kunststil.

Ein Großteil der Bevölkerung wandert gegen Ende der Frühlatènezeit von Mitteleuropa nach Italien und später bis Griechenland. Ab etwa 320 v. Chr. folgt eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Neben Naturalien zahlt man jetzt mit Geld, den sog. Regenbogenschüsselchen, was auch den Handel beflügelt.

Vom Berg ins Tal – Siedlungen der Latènezeit

In der Frühphase der Latènezeit errichtete man Höhensiedlungen auf markanten Erhebungen in der Nähe von Handelswegen, wie auf dem Frauen-berg bei Weltenburg. Später entstanden an wichtigen Verkehrswegen große stadtartige Anlagen wie Manching. Von Julius Caesar „oppida“ genannt, waren sie durch mächtige Wälle gesichert. Als Vorformen von Städten bildeten sie das politische und wirtschaftliche Zentrum einer ganzen Region.

Daneben gab es auch unbefestigte Siedlungen. Dazu zählte wohl die frühlatènezeitliche Siedlung bei Günzenhofen, die sich mit der Zeit nach Süden erweitere oder verlagerte. In der Nähe des Baches kamen ein dendrodatierter Pfostenbau von 261 v. Chr. zutage, dazu eine Grube mit kultischem Hintergrund sowie ein mittellatènezeitliches Brandgrab mit vollständiger Frauentracht.

Eine weitere ausgedehnte Siedlung der jüngeren Latènezeit befand sich wenig nördlich bei Großhöbing im Talgrund. Sie erstreckte sich als lockere Streuung von Häusern, Hausgruppen und Speicherbauten über die gesamte Flussniederung, die Siedlungsgrenzen wurden nicht erfasst. Auffällig ist ein fast quadratischer Bau mit Umgang . Früher als Kultbau interpretiert, sieht man ihn heute eher als herausgehobenes Wohngebäude.

Opfer in der Latènezeit

Im damals feuchten Milieu des Ufersaumes nahe der Siedlung fand man ein intentionell zusammengebogenes Eisenschwert. Das Waffenopfer sollte wohl einer Gottheit dargebracht werden. In „naturheiligen“ Plätzen wie Felsen, Höhlen, Quellen und Moore sah man in keltischer Zeit Orte des Wirkens übernatürlicher Mächte. Als Teil von Kulthandlungen deponierte man dort häufig Opfergaben wie Waffen, Geräte und Trachtbestandteile. Oft wurden diese Objekte rituell verbogen und für eine alltägliche Nutzung unbrauchbar gemacht.

Schwertopfer

Inszenierung der Schwertniederlegung am Ufer der Schwarzach.

 

Wandel im Totenbrauch

Die wenigen bekannten Gräber der Frühlatènezeit sind meist Nachbestattungen in älteren Grabhügeln. In der Mittellatènezeit finden sich Flachgräber mit Brand- aber auch Körperbestattungen. Noch weniger Gräber kennen wir aus der Spätlatènezeit. Möglicherweise hinterließ die Art der Bestattung keine Spuren im Boden.

Ein mittellatènezeitliches Frauengrab

In einer mit Holzkohle, Kalkschutt und Steinen verfüllten Grube lagen verstreute Leichenbrandstücke, vermischt mit hunderten angeschmolzener und verglühter Bronze- und Eisenteilchen. Aus diesen ließ sich stückweise der Trachtschmuck zusammensetzen. Das Ensemble besteht aus der Stabgürtelkette, einem Armring mit Rosettenzier, mindestens einem Hohlbuckelfußring, einer kleinen Bronzefibel und einer großen Eisenfibel. Die vollständige Frauentracht ist über die Einzelteile in die Mittellatènezeit zu datieren, also die Jahre zwischen 250 und 120 v. Chr. Es handelt sich um das erste in Mittelfranken nachgewiesene mittellatènezeitliche Brandgrab.

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